35 Jahre Umbauerfahrung - Interview mit Christoph Seelhorst
- Hannah Seelhorst

- 29. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 12. Feb.
Unsere Innenarchitektin Sabine Storch-Lazzaro hat sich mit Christoph Seelhorst zusammen gesetzt und mit ihm geplaudert, was er in den letzten 35 Jahren seiner Laufbahn alles erlebt und mitgenommen hat. Er hat den Betrieb 1990 übernommen, einen neuen Schwerpunkt auf den hochwertigen Ausbau privater Wohnhäuser gelegt, sich alte Techniken wie Tadelakt angeeignet - und unzähle Baustellen erfolgreich fertiggestellt.
Sabine: Sie haben über 35 Jahre Erfahrung in der Sanierung und dem Umbau von Gebäuden. Was hat Sie in diese Branche geführt?
Christoph: Schon als junger Handwerker hat mich die Arbeit mit historischen Gebäuden fasziniert. Jedes Haus erzählt seine eigene Geschichte, und es ist unsere Aufgabe, diese zu bewahren und gleichzeitig moderne Wohnqualität zu schaffen. Über die Jahre habe ich gesehen, wie sich die Bauweise, Materialien und auch die Ansprüche der Menschen verändert haben. Aber eines bleibt: Wer saniert, sollte mit Respekt und Weitsicht arbeiten.


Sabine: Was sind die häufigsten Herausforderungen bei der Sanierung alter Gebäude?
C. Seelhorst: Oft ist es der Renovierungsstau – jahrelang wurde nichts gemacht, Leitungen sind veraltet, Dämmung fehlt, und manchmal lauern versteckte Schäden, wie feuchte Wände oder marodes Holz. Zudem sind viele alte Gebäude nicht für moderne Wohnbedürfnisse ausgelegt. Küchen zB waren damals Nebenräume, oft weit weg von Wohnräumen, klein und unbehaglich. Heutzutage haben Menschen ganz andere Ansprüche an ihr Zuhause. Eine Herausforderung ist es, sie nicht einfach nur zu modernisieren, sondern dabei ihren Charakter zu erhalten.
Sabine: Wie findet man die Balance zwischen Erhalt und Modernisierung?
Christoph: Der Schlüssel ist eine kluge Planung mit minimal invasiven Eingriffen. Das bedeutet, dass wir nur dort eingreifen, wo es wirklich nötig ist. Zum Beispiel müssen nicht immer Wände herausgerissen werden, um offene Räume zu schaffen – manchmal reicht es, Türen anders zu setzen oder Farben gezielt einzusetzen. Ein durchdachtes Farb- und Materialkonzept kann Räume größer oder heller wirken lassen, ohne dass bauliche Maßnahmen nötig sind.
Sabine: Apropos Farben – welche Rolle spielt die Farbgestaltung bei der Sanierung?
Christoph: Eine sehr große! Früher waren viele Häuser in dunklen Tönen gehalten, heute wünschen sich die meisten zeitlose, helle Räume. Mit den richtigen Farbtönen kann man Räume optisch vergrößern, beruhigend oder belebend wirken lassen. Gerade bei alten Gebäuden ist es wichtig, Farben auszuwählen, die zur Architektur passen – etwa warme Erdtöne für Fachwerkhäuser oder natürliche Kalkfarben für historische Mauern.
Sabine: Wie wichtig ist Nachhaltigkeit bei der Sanierung?
Christoph: Sehr wichtig! Früher war Bauen oft verschwenderisch, heute ist das Bewusstsein für nachhaltige Materialien und Energieeffizienz Gott sei Dank gestiegen. Durch eine clevere Sanierung kann man den Energieverbrauch drastisch senken, etwa mit Dämmstoffen aus natürlichen Materialien, energieeffizienten Fenstern oder smarten Lösungen wie Toilettenspülungen mit Regenwasser. Ich selbst habe Häuser so schon vor 20 Jahren renoviert; nicht aus politischem Druck sondern aus Überzeugung, dass wir ressourcenschonend leben sollten. Und: Wer nachhaltig saniert, spart langfristig viel Geld!
Sabine: Gibt es ein Projekt, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Christoph: Ach, da gibt es soviel zu erzählen. Bei Malerarbeiten waren Kirchen oft sehr spannend, da wir dort oft originale Malereien erhalten mussten. Daran habe ich immer viel Freude gehabt. Oder die anspruchsvolle Gestaltung eines etwa 1000 qm großen Neubaus, hier sind so viele tolle Materialien und Techniken zum Einsatz gekommen - teils Jahrhunderte alte Arbeitsweisen. In jüngerer Zeit gab es ein schönes Projekt, wo wir einen alten Vierkanthof in nur vier Monaten komplett saniert haben. Das Gebäude war jahrzehntelang kaum gepflegt worden – marode Balken, feuchte Wände, alte Installationen. Statt alles abzureißen, haben wir gut gehaushaltet und gezielt saniert: Die tragenden Strukturen wurden erhalten, nur wirklich notwendige Änderungen vorgenommen, und durch ein kluges Farbkonzept wurde aus dunklen, kleinen Räumen ein offenes, helles Zuhause. Heute sieht es aus wie ein stilvoller Mix aus Alt und Neu – genau so, wie es sein soll!
Sabine: Welchen Tipp würden Sie Menschen geben, die ein altes Haus sanieren möchten?
Christoph: Gut beraten sein! Wenn man ohne Ziel und Idee losgeht, zB in eine Badausstellung für die Sanierung eines Badezimmers, ist oft danach verlorener als vorher und man ist schnell in den klassischen Planungsideen von Installateuren gefangen. Und ganz wichtig: Nicht jeder Trend passt zu jedem Haus. Wer sein Gebäude respektiert und mit durchdachten Lösungen arbeitet, schafft ein zeitloses Zuhause, das noch viele Generationen überdauert.
Sabine: Das sind wertvolle Einblicke. Vielen Dank für das Gespräch!
Christoph: Sehr gern – und viel Erfolg bei allen Sanierungsprojekten! 😊










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