• Hannah Seelhorst

Zwischen Baumwipfeln inmitten der Stadt

Zwei sehr verwinkelte Maisonettewohnungen mit überschaubarem Platzangebot unter dem Dach sollen in eine neue Einheit umgebaut werden: ausreichend Platz für Wohnen und Arbeiten, großzügig und gut durchdachte Details prägen die jetzt lichtdurchflutete Wohnung.



Herausforderung:

Zwei nebeneinander liegende Wohnungen waren ideal für Single bzw Pärchen geschnitten; entsprechend gibt es aber auch zwei WCs, Bäder, Küchen, enge Wendeltreppen und im oberen Geschoss zwar viel Licht, aber keine Weite, geschweige denn Großzügigkeit.

Wie kann man diese beiden Einheiten, in ein neues Zuhause verwandeln, das klug und ästhetisch Wohnen, Arbeiten und Leben miteinander verbindet?


Ergebnis:

Auf zwei Ebenen viel Platz zum Leben, Wachsen und Arbeiten; die untere Ebene eint alle privaten Räume, wie das große Arbeitszimmer, Schlafzimmer mit kleiner Ankleide, Bad und HWR und auf der oberen Ebene eröffnet sich der offene Wohn und Essbereich mit der zentralen Kücheninsel.

Das Ganze im veranschlagten Zeitrahmen und im Budget.



Das Düsseldorfer Stadtbild ist geprägt von zweckmäßigen Nachkriegsbauten, so uninspiriert wie viele der Fassaden in Stadtmitte sind häufig auch die Grundrisse. Genau deshalb - und weil sich diese gute Gelegenheit geboten hat - wurden hier diese beiden Wohnungen zusammengelegt. Alles hatten wir in der Hand und haben uns dort, wo wir Unterstützung brauchten, wie bei der Einreichung der Pläne für die Baugenehmigung, oder natürlich alle die anderen Gewerke, mit unseren langjährigen Partnern zusammen getan.



Bei der Planung der neuen Wohnung sind wir so vorgegangen, wie wir es bei jedem Umbau, bei jeder Neugestaltung auch machen:

  1. Bedürfnissen der Bewohner ans neue Umfeld gemeinsam definieren und diese anschließend auch mit den individuellen Gewohnheiten spiegeln (bestes Beispiel beim Thema Badplanung: Häufig möchten Kunden einen Waschtisch mit zwei Armaturen einplanen, weil “es sich doch so bei einem schönen Bad gehört” und “es schon manchmal vorkommen könnte, dass wir gemeinsam Zähne putzen würden”… Wenn man dann aber über Gewohnheiten spricht, stellt sich häufig heraus, dass es quasi nie vorkommt, dass gemeinsam Zähne geputzt werden. Da bin ich dann einfach großer Verfechter von “Form follows function”: also nur das einplanen und -bauen, was am Ende wirklich genutzt wird.

  2. Moodboards für Räume erstellen; auch hier gilt vom Großen aufs Kleine kommen. Shots von schönen Objekten, Stimmungen und Räumen heraussuchen und dann genau definieren, was ist daran eigentlich schön für mich?

  3. Budget definieren (und Erwartungsmanagement betreiben)



Im Anschluss ging es für uns an die Grundrissplanung. Wir gehen das Ganze immer als “Silent Brainstorming” an (meine Design Thinking Vergangenheit macht sich überall nützlich). Im Team sitzen wir zusammen über Blanko-Grundrissen und skizzieren unterschiedliche Aufteilungen; jeder so viele wie sie mag, so viele wie ihm einfallen.


Im Anschluss gilt es abzuwägen und Kosten im Blick zu halten: wie können sinnigerweise Bestandsleitungen behalten werden, worauf kann man verzichten, was muss sein?


Folgendes hat sich daraus ergeben:

Der neue HWR zieht in ein ehemaliges Gäste-WC; hier sieht man optisch auch jetzt noch den ehemals gefliesten Boden, wo jetzt der Waschbereich ist. Über Abwasserleitungen wurde das Podest so vergrößert, dass Befüllen der Waschmaschine nun in angenehmerer Höhe stattfinden kann. Im vorderen Bereich, wo die schönen Eschedielen verlegt worden sind, befindet sich die Garderobe.




Dort sind auch die einzigen Fliesen der gesamten Wohnung zu finden: beide Bäder (Gäste-WC als Duschbad und Masterbad) kommen komplett ohne Fliesen und Fugen aus.


Die Duschen sind jeweils mit einem Kalkspachtel versehen, gleiches gilt für den Boden im Gäste-Bad, sodass man ohne Sorge die bodentiefe Dusche ohne Türe belassen kann, da der Boden auch Spritzwasser aushalten kann. Im Masterbad steht Dusche und Badewanne auf einem Baukörper, der komplett verspachtelt ist, so kann sogar ohne Sorge Parkett im restlichen Raum verlegt werden. Das weiche Holz gepaar mit dem atmosphärischen Kalkputz ergibt einen Wohlfühlraum, in dem Ton-in-Ton atmen kann! Im Gäste-WC hingegen definieren starke Kontraste den Raum: das dunkle Blau (sowohl des Kalkputzes als auch der restlichen Wandflächen) hebt sich wunderbar gegen die weißen Armaturen und Keramik ab. Der graue Boden nimmt sich zurück und lässt das Blau wirken.


Das obere Geschoss wird durch eine unbehandelte Stahltreppe erschlossen. An der Wand: grober Terrastone, der so widerstandsfähig ist, dass man ohne Geländer auskommen kann. Als Brüstung dient ein offenes Regal, so kann noch mehr Licht vom hellen durchfluteten Obergeschoss nach unten strömen.











Oben angelangt eröffnet sich ein großzügiger Wohn- und Essbereich. Die offene Küche blickt in Baumwipfel, der Esstisch ist zur jetzt vergrößerten Terrasse ausgerichtet und das Sofa bietet unter dem Spitzgiebel einen Rückzugsort trotz Offenheit.

Durch die offene Architektur haben wir hier auf Ton-in-Ton gesetzt, um den Raum als eine Einheit zu gestalten.



Insgesamt dauerte der Umbau 7 Monate; wovon die Baustelle knapp zwei Monate still lag aufgrund der fehlenden Baugenehmigung. Hier könnt ihr nochmal Baustellenromantik vom Allerfeinsten sehen.


Die komplette Retrospektive gibt's hier: Auf diesem Account haben wir den Baufortschritt festgehalten.

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